Gleichberechtigung für alle

Gleichberechtigung

Beim Begriff Gleichberechtigung denken Sie sicherlich zunächst an die zwischen Mann und Frau. Aus Sicht der Soziologen hat der Begriff aber viel mehr Bedeutung und stellt einen wesentlichen Bestandteil der Menschenwürde dar. Sie ist daher in vielen Verfassungen als Grundpräambel enthalten, so auch im Deutschen Grundgesetz, Artikel 3.

Beispiele für Kämpfe um Gleichberechtigung gibt es viele. So mussten in Amerika schwarze Bürger kämpfen, damit sie öffentliche Verkehrsmittel benutzen, alle Schulen besuchen oder in Behörden und Ämtern tätig sein konnten.

Auch in vielen Staaten wie z.B. in Südafrika ist die Gleichberechtigung aller Menschen noch immer nicht erreicht.

Die Forderung nach Gleichberechtigung der Geschlechter kam viel später, etwa zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Zuvor war durch Zwangsheiraten und fehlende Bildung das Leben der meisten Frauen fremdbestimmt.

Im Jahr 1918 erstritten die Frauen in Deutschland das Wahlrecht. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass es in der Schweiz das Frauen-Wahlrecht erst seit 1971 gibt. Nach dem 2.Weltkrieg verstärkten sich die Bemühungen zur Gleichberechtigung der Frauen in Deutschland wieder. Änderungen im geltenden bürgerlichen Recht, die im Mai 1957 vorgenommen wurden, stellten einen Meilenstein in diesen Bemühungen dar.

Ein wichtiger Eckpfeiler war der Wegfall des „Letztentscheids“. Danach hatte der Ehemann bei allen Eheangelegenheiten sozusagen „das letzte Wort“. Durch die Festsetzung der „Zugewinngemeinschaft“ als gesetzliche Regel konnten Frauen jetzt die Vermögensverwaltung selbst wahrnehmen. Es war ihnen möglich eigenständig eine Beschäftigung zu kündigen. Allerdings dauerte es weitere zwanzig Jahre, nämlich bis 1977, bis Frauen eine Beschäftigung ohne Erlaubnis des Mannes annehmen durften. Auch das Ungleichgewicht bei der Kindererziehung wurde langsam ausgeglichen. Lange Zeit war dem Vater die letzte Entscheidung vorbehalten, wenn die Eheleute nicht einig waren. Gegen diesen sogenannten „Stichentscheid“ klagten Juristinnen 1959 und erreichten, dass diese Bestimmungen für verfassungswidrig und damit nichtig erklärt wurden.

Überall in der Welt gehen die Bemühungen für die Gleichberechtigung weiter; z.B. für die der Frauen in überwiegend moslemisch bestimmten Ländern. Aber auch in Ländern mit fortgeschrittener Gleichberechtigung ist sie noch lange nicht erreicht. So erhalten in der Mehrzahl Frauen für gleiche Arbeit nach wie vor weniger Lohn als Männer. In Führungspositionen und Vorstandsetagen großer Konzerne sind sie, auch in Deutschland, eher selten anzutreffen.